Mal eben segeln – Törnbericht Oosterschelde

Wenn wir mal „eben“ segeln gehen möchten, dann bietet sich für uns in Holland die Oosterschelde oder das Grevelingenmeer an. Aus Bonn sind wir in gut 3 Stunden vor Ort. Neben der guten Erreichbarkeit aus dem Köln/Bonner Raum bieten sich diese Gewässer aber auch für diejenigen an, die noch wenig Erfahrung als Skipper gemacht haben. Im Mai 2014 war ich dort das erste Mal als Skipper auf einer Dehler 25 unterwegs. Damals noch ohne Marlene, dafür aber mit meinem guten Freund Fabian. Mit ihm habe ich die meisten meiner Törns bestritten. Für mich war das damals der perfekte Einstieg. Das Boot war klein und somit gut handhabbar. Die See ruhig und überschaubar mit vielen Häfen, die teilweise sehr dicht beieinander liegen.

Zuletzt haben wir – diesmal also mit Marlene – das lange Wochenende über Pfingsten (Freitag bis Dienstag) genutzt, um mit Freunden einen kurzen Törn zu machen. Wir hatten uns eine Beneteau 285 ab Yerseke zu viert gechartert.

Die Crew besteht aus: David, Stephan, Marlene und mir.

Freitag: 
Mein Törn beginnt eigentlich schon am Donnerstag, mit dem Besorgen des Proviants. Somit sparen wir uns vor Ort Zeit und können schneller starten. Am Freitag muss Marlene noch bis mittags arbeiten, sodass wir erst gegen 16 Uhr los kommen. Das beschert uns ein wenig (Pfingst-)Stau, den wir uns aber mit netten Gesprächen wegreden.

Angekommen in der Marina Yerseke, suchen wir den Vercharterer auf, der gerade zu Abend isst. Als er uns sieht, springt er sofort auf und bringt uns über den langen Steg zur „Seagull“ (Möwe). Sie liegt ganz am Ende. Jedoch ist es eine gute Startposition, um Samstag morgen ohne größere Probleme abzulegen. Mit einer unerfahrenen Crew für mich erstmal wichtiger als nahe zu den Sanitäranlagen zu liegen. Wir bekommen im Zuge einer kurzen Einweisung die wichtigsten Besonderheiten an Bord gezeigt. Jedes Mal auf neue muss man sich bei Charterbooten auf die etwas anderen Bedingungen einstellen. Wo war jetzt noch gleich der Schalter für das Licht in der Kabine, wo ist der Absperrhahn für die Gasleitung zum Herd usw… Für mich im Besonderen ist es diesmal der Petroleum-Herd. Bisher hatten wir immer einen Gasherd inklusive Backofen. Etwas skeptisch beäuge ich die Apparatur und frage mich, wie gut man darauf wohl kochen kann. Für mich immer auch wichtig, da ich segeln auch immer mit schönen Kochabenden und leckerem Essen verbinde. Um es vorwegzunehmen: Auch auf so einem kleinen Petroleum-Kocher kann man Köstliches kochen!

Und genau das ist jetzt auch das Stichwort. Nachdem wir unser Gepäck an Bord verstaut haben, ist es schon fast  22 Uhr und unser Magen hängt ganz schön durch. Aufwändig zu kochen, dauert uns jetzt zu lange. Zudem sind wir auch ein wenig platt. Also auf zum kleinen Restaurant am Hafeneingang mit tollem Blick über die Marina. Allerdings ist da die Küche schon geschlossen. Von der Kellnerin erfahren wir von einer nahegelegene Pommesbude. Also schnell los, bevor auch diese schließt! Hecktisch verabschieden wir uns und versprechen dafür morgen wiederzukommen. (Natürlich völliger Unsinn, liegen wir ja morgen in einem anderen Hafen.) Dreißig Minuten und eine großen Portion Pommes mit Ketchup später (soviel zu den kulinarischen Leckereien beim Segeln) liegen wir dann alle glücklich in der Koje.

Samstag:
Der Samstag startet mit einem ausgiebigen Frühstück. Vor allem mit Kaffee für Marlene. Ohne diesen geht quasi gar nix. Hier hat sich übrigens eine French Press bewährt. Ohne großen Aufwand lässt sich damit ziemlich schnell eine Kanne Kaffee für die ganze Crew zubereiten. Während des Frühstücks hole ich ein paar Wetterinformationen ein und wir besprechen mögliche Routen für den ersten Tag. Hierbei wichtig: Wie gehts direkt nach dem Hafen weiter? Welche Tonnen sind zu beachten, um erstmal in etwas tieferes Gewässer zu kommen etc.?
Nach dem Frühstück füllen bzw. überprüfen wir den Wasser- und Dieseltank. Scheint erstmal überflüssig, da vom Vercharterer übernommene Boote eigentlich komplett vorbereitet sind. Jedoch hat mich da mein SKS-Ausbildungstörn eines Besseren belehrt ;).
Jetzt noch unter Deck alles sicher verstauen, Navigationskarten bereitlegen und dann gehts endlich los. Ich stehe an der Pinne. Nur noch die wichtigsten Leinen auf Slip. Ich kuppel ein und rufe „Leinen langsam fieren“, aber nix passiert. Seagull steht weiterhin still am Fingersteg. Ich schaue nach und nach meine Crewmitglieder an und frage: „ihr fiert die Leinen, ja?“. Alle bestätigen dies. Also nochmal aus- und wieder einkuppeln. Jetzt aber. Seagull bewegt sich langsam vorwärts. Vorsichtig motore ich aus dem kleinen Hafen und drehe dann Richtung Norden. Unser Ziel für heute: Bruinisse. Wir haben 3-4 Windstärken aus West. Wir setzen die Segel und fahren mit Sonnenschein unter Am-Wind-Kurs und kreuzen nach Norden. Die Oosterschelde ist wirklich herrlich! Jedoch fällt schon nach wenigen Seemeilen der Tiefenmesser rapide ab. Ganz irritiert schaue ich mich nach den nächstliegenden Tonnen um. Der Tiefenmesser fällt weiter. Ich starte eilig den Motor und lege den Rückwärtsgang ein. Marlene, David und Stehpan holen derzeit die Fock rein. Erstmal rückwärts dahin, wo wir hergekommen sind. Aber was war passiert? Bei dem Folgen eines Fahrwassers müssen wir offensichtlich eine Tonne übersehen haben. Dies ist auch der größte Nachteil der Oosterschelde: abseits des Fahrwassers wird es an vielen Stellen schnell flach. Ganz nebenbei: Nachdem wir wieder auf Kurs sind, beobachten wir das gleiche „Manöver“ bei einer anderen Chartercrew. Bruinisse liegt sowohl an der Oosterschelde (Industriehafen) als auch am Grevelingenmeer. Der Yachthafen jedoch nur auf Grevelinger-Seite. Auf unserer Seite befindet sich der Industriehafen. Einen genauen Blick in die Karte hätte das auch verraten. So stehen wir auf der „falschen“ Seite des Damms. Zum Glück befindet sich direkt hier auch eine Schleuse. Hinter der Schleuse können wir dann direkt in den Yachthafen einfahren und eine Ankommer-Cola* genießen. Vor dem Abendessen erkunden wir noch kurz den Hafen und den angrenzenden Ort, der unseres Erachtens nicht unbedingt sehenswert ist. Daher begeben wir uns früh zurück an Bord und lassen den Abend mit einer Portion Spaghetti Bolognese ausklingen.

*Marlene und ich trinken quasi nie Alkohol, daher gibt’s für uns eine Cola.

Sonntag:

Neben zwei keinen Restaurants, einem Spielplatz und einem Supermarkt befindet sich im Yachthafen auch ein gut sortierter Bootszubehör-Shop. Da müssen wir natürlich vor der Abfahrt noch hin. Ich mag diese Läden, in denen man alles rund ums Boot findet. Auch wenn wir nichts Bestimmtes benötigen, finde ich es schön, ein wenig zu stöbern. Zu Hause haben wir nur wenig Möglichkeiten, solche Geschäfte aufzusuchen. Lediglich ein kleiner „Ship-Shop“ in der Bonner Altstadt lädt zum Träumen ein.
Danach legen wir ab und passieren zunächst wieder die Schleuse in die Oosterschelde. Der Wind hat in der Nacht ein wenig aufgefrischt, sodass wir Böen bis zu 28 Knoten haben. Die meiste Zeit müssen wir kreuzen, um Richtung Westen nach Colijnsplaat zu kommen. Dies klappt eine ganze zeitlang sehr gut. Jedoch vertragen den Kurs 50% der Crew (David und Stephan) weniger gut. Zunehmend bemerke ich bei David eine bereits bekannte Art, die mir sagt: „So langsam solltest du einen Hafen aufsuchen“. Ich persönlich kann ganz schlecht zusehen, wie es z.B. bedingt durch Seekrankheit, einem Mitglied der Crew schlecht geht. Daher entscheiden wir uns gegen Colijnsplaat und biegen kurz nach dem Passieren der Zeelandbrücke in den Havenkanal nach Zierikzee ein. Dieser ist vor Wind und Welle geschützt, wodurch sich die Situation etwas entspannt. Dennoch möchte ich so schnell wie möglich anlegen. Die erstbeste Box gehört uns, denke ich mir. Gesagt, getan. Dabei achte ich allerdings nicht auf die Größe (Länge) der Box. Folglich benötigen wir fast 10 Minuten für das Anlegemanöver, da auch noch die Leinen zu kurz sind.

 


Exkurs: Leinenlänge auf Charterbooten 
Noch so ein kleines Detail, welches mich immer wieder auf Charterbooten stört: In vielen Büchern und Radgebern wird immer eine Leinenlänge empfohlen, die der dreifachen der Bootslänge entspricht. Zur Not auch mal nur das 2,5 fache. Die Längen der Leinen auf einem Charterboot entsprechen aber meistens nur der ein- bis zweifachen Länge des Boots. Einige Manöver im Hafen, die ein sicheres An- und Ablegen garantieren, sind somit schlichtweg nicht möglich. Abhilfe schafft da nur selber eine entsprechende Leine mitzubringen. Für den kommenden Ostseetörn steht dies schon auf der Packliste! 


 

Montag:

Da für Dienstag Windstärken von 7-8 Bft gemeldet sind, entscheiden wir uns dazu, schon heute den Heimathafen Yerseke anzulaufen – in Abhängigkeit vom Wind können wir dann immer noch am Dienstag eine kleine Runde drehen. Dies ist für uns sinnvoller als Dienstag morgen auf jeden Fall nochmal rauszumüssen, um das Boot rechtzeitig zurückzubringen. Auf einem angenehmen Vorwind- und Halbwindkurs durchfahren wir zunächst wieder die Zeelandbrücke und nehmen dann Kurs Süd. Schon am frühen Nachmittag liegt dann schon das Fahrwasser nach Yerseke steuerbord voraus. Wir nehmen etwas Fahrt auf dem Boot und machen uns eine Suppe zum Mittagessen warm. Anschließend fahren Marlene und ich alleine noch ein paar Manöver, um uns ein wenig auf den Ostseetörn vorzubereiten. Dann zieht es uns in den Hafen. Nach dem Anlegen erinnern wir uns an das Versprechen an die Kellnerin vom ersten Abend. Also sitzen wir später alle zusammen im Restaurant mit dem Blick über die Marina. Und das Beste: Diesmal hatte die Küche noch geöffnet. Nur die Kellnerin erinnert sich nicht an uns.

 


Exkurs: Zeitplanung beim Charterten
Die Zeitplanung beim Chartern hat immer auch eine gewisse Tücke, da man ja das Boot rechtzeitig wieder zurückbringen muss. Einerseits möchte man sich natürlich auch ein Stück weit vom Heimathafen entfernen, andererseits möchte man auch nicht so weit weg sein, dass man nachher unter Druck steht, unter allen Bedingungen fahren zu müssen. Ich versuche dieses Problem mit einem Mix aus den folgenden zwei Grundsätzen zu lösen:

  1. Genaues Studieren der vorherrschenden und kommenden Wetter- und Windsituation. 
  2. Ein Drittel der Zeit für den Hinweg und zwei Drittel für den Rückweg einplanen. 

Das aktuelle Wetter inklusive Wind schaue ich mir über Windfinder an. Dies gibt häufig einen sehr guten Überblick. Auch auf unserem Törn waren die 7-8 Bft für Dienstag schon am Freitag angekündigt. Zusätzlich schaue ich mir gerne die Situation auf Bodenanalysekarten des DWD mit Fronten, Luftdruckzentren und Isobaren an. 
Ob es nun wirklich zwei Drittel der Zeit für den Rückweg sein müssen, weiß ich nicht. Dies hängt sicherlich auch von der Gesamtstrecke ab. Ich plane jedoch immer einen entsprechenden Puffer ein – ggf. so, dass wir schon am Abend vor der Abgabe in der Nähe des Ausgangshafens sind.  


 

Dienstag:

Die 7-8 Bft haben sich tatsächlich bestätigt. Über Nacht hat der Wind ordentlich zugelegt. Der Windmesser zeigt schon im etwas geschützten Hafen mehr als 30 Knoten an. Wir beschließen, in Ruhe zu frühstücken, das Boot besenrein zu machen und dann gemütlich nach Hause zu fahren.

 

Fazit: Toller Törn für ein kurzes Wochenende!! 

 

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