Vorbereitungen – Erster Zweihandtörn

In diesem Beitrag möchte ich ein paar Infos darüber geben, welche Vorbereitungen wir in Hinblick auf unseren ersten Zweihandtörn unternommen haben. Dabei ist mir wichtig, vorab zu sagen: Dieses sind unsere persönlichen Vorbereitungen! Natürlich hängen die Vorbereitungen von den jeweiligen Voraussetzungen ab. Daher soll dies nicht eine allumfassende Beschreibung von dem sein, was man zuvor tun muss. Es soll lediglich dokumentieren, was uns wichtig war. Vielleicht nehmt ihr ja die ein oder andere Idee mit.

Folgende Dinge waren uns besonders wichtig, im Vorfeld zu besprechen: An- und Ablegemanöver, Navigation, Kommunikation, Revier und Häfen.

An- und Ablegemanöver

Warum sollte man sich überhaupt so intensiv mit An- und Ablegemanöver beschäftigen? Insbesondere mit so einer kleinen Crew fehlt es häufig an Händen, die die entsprechenden (notwendigen) Tätigkeiten ausführen können. Bei vier bis fünf Personen an Bord hat jeder eine kleine Aufgabe und alles läuft – wahrscheinlich – gut. Aber mit zwei Personen muss im Vorhinein das An- bzw. Ablegemanöver so reduziert werden, dass es gut – und möglichst zügig – gemeistert werden kann. Darüber hinaus habe ich viele Crews auf unserem Törn, insbesondere bei Anlegen, gesehen, die viele Ideen und Ratschläge aus der Literatur oder erfahrenen Skippern nicht beachten oder vielleicht auch nicht kennen. Häufig geht es dann dennoch gut. Aber manchmal eben auch nicht. Auf unserer Woche auf der Ostsee sind mir insbesondere folgende Details aufgefallen:

– Bei An- und Ablegen in/aus der Box mit Dalben: Fender schon unten, bzw. beim Ausfahren nicht oben
Besser: Vor dem Ablegen Fender hoch, bzw. erst nach dem passieren der Dalben beim Anlegen: Fender runter

– Beim Anlegen am Schwimmsteg: Fender zu weit oben
Besser: Fender sind knapp über der Wasseroberfläche

– Box oder Schwimmsteg: Mit dem Wind anlegen
Besser: Gegen den Wind anlegen

– Box oder Schwimmsteg: In Lee festgemacht
Besser: Erst in Luv festmachen

Dies sind nur Kleinigkeiten, die beachtet werden sollten, haben uns aber sehr geholfen. Natürlich haben wir uns diese und weitere Infos nicht selber ausgedacht. Für uns besonders hilfreich war das Video von Guido Dwersteg Einhand und Manöver-Tipps. Anhand dessen haben wir genau besprochen, wer was beim An- und Ablegen macht. Weiterführend gibt in diesem auch eine Menge Tipps für das Manövrieren im Hafen und beim Segeln. Zudem haben uns die Bücher von Duncan Wells Stressfrei Segeln und Hafenmanöver Schritt für Schritt  von Lars Bolle und Klaus Andrews geholfen.

Neben der Theorie zum den verschiedenen Manövern haben wir auch das Werfen einer Leine um einen Dalben oder einer Klampe geübt 😀 Was ich dabei neidlos zugeben muss: Marlene kann das einfach besser 😉

 

Kommunikation

Ein vielleicht etwas unterschätzter Teil unserer Vorbereitung bestand darin, dass wir immer (und auch schon frühzeitig) unsere Vorstellungen und Sorgen miteinander geteilt haben. Somit war uns beiden von vornherein klar, was dem anderen besonders wichtig ist. Marlene hat mir gegenüber das ein oder andere Mal erwähnt, dass sie es gerne erstmal etwas ruhiger angehen möchte. Weil ich das wusste, habe ich direkt bei etwas mehr Wind ein Reff eingebunden. Mir war es nicht so wichtig, ob mit Reff oder ohne. Aber Marlene hat sich dadurch wesentlich besser gefühlt. Natürlich kann man auch in der jeweiligen Situation darüber sprechen (was ja ebenfalls gut ist). Aber es erleichtert natürlich den Törn, wenn nicht erst in der Situation Dinge zur Sprache kommen, die dem Partner vielleicht Sorgen machen.
Zur Kommunikation zählt für mich auch das genaue Absprechen von Manövern. Wir haben immer zuerst besprochen, was wer macht, bevor es dann losging mit dem Ablegen, dem Anlegen oder dem Segelsetzen.

Abschließend möchte ich auch noch von einem kleinem Ritual berichten, was wir uns von Judith und Sönke Roever „abgeguckt“ haben: Fast jeden Abend, kurz bevor wir schlafen gegangen sind, haben wir uns gegenseitig den schönsten und blödester Moment des Tages erzählt. Wichtigste Regel: keine großen Kommentare vom anderen oder Rechtfertigungen zu diesen Momenten. Dieses kleine Ritual hat uns die Möglichkeit gegeben, den anderen nochmal besser kennenzulernen. Dinge, die einem – und das ging sowohl Marlene als auch mir so – in der eigentlichen Situation gar nicht so bewusst waren, kamen z.B. zur Sprache und es war wichtig, das abends in Ruhe voneinander zu erfahren.Wir konnten uns dadurch noch besser aufeinander einstellen. Jedes Team macht dies sicherlich auf andere Art und Weise. Aber bei uns war es sehr erfolg- und vor allem hilfreich.

Navigation

Marlene hat sich bisher hauptsächlich auf Gewässern bewegt, auf denen Navigation eher nachrangig behandelt wird. Für die Ostsee war es uns jedoch wichtig, dass Sie zumindest die Grundregeln beherrscht. Dazu gehört nicht die Bestimmung des Standortes in zwei Stunden mit Versatz und Missweisung, sondern das Lesen der Navigationskarte. Und das ganz praktischen anhand der folgenden Fragen: Wo sind wir? Wo wollen wir hin? Welche Routen sind möglich? Ist es überall tief genug?
Diese Dinge waren schnell erklärt. Eine Win-Win-Situation 😉 Marlene möchte mit zunehmender Erfahrung ein gleichwertiges Mitglied (hinsichtlich ihrer Kenntnisse) werden, für mich war es zudem entlastend.

Revier und Häfen

Nicht Zuletzt haben wir uns über das Revier und die möglichen Häfen informiert. Hinsichtlich der Häfen war mir die Größe (Anlegeplätze, Wendemöglichkeiten und Tiefe) sowie die Anlegeart (Box mit Dalben, Findersteg, Pier, etc.) wichtig. Demnach haben wir uns dann schon vorher, aber auch vor Ort die Häfen ausgesucht. Hilfreich waren hier die Internetseiten von NV Pedia und der Marina Guide. Dazu gehört es auch, sich über Besonderheiten im Revier zu informieren. Gefährliche Stellen, spezielle Wetter- bzw. Windphänomene oder ähnliches. Da ich aber bereits mehrfach auf der Ostsee unterwegs war und dies wirklich ein schönes und freundliches Revier ist, haben wir uns damit nicht so intensiv – aber eben doch ein bisschen – beschäftigt.

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