Kroatien im Oktober 2017 – Ein Törnbericht

Daten

Zeitraum: 21.10. – 28.10.17
Crew: David, Fabian, Eva, Marlene und Markus
Schiff: Bavaria 37, Mare
Start: Dubrovnik

SAMSTAG: ANREISE

Wenn man mit ein bisschen zeitlichem Abstand über ein Erlebnis erzählt, so idealisiert man gerne. Situationen, die in dem eigentlichen Moment eher unangenehm waren, sind dann nicht mehr so schlimm. Ich glaube, das liegt in der Natur des Menschen. Aber wenn ich an unsere An- bzw. Abreise nach Dubrovnik denke, so besteht immer noch das Gefühl von Endlosigkeit 😉 Zugegeben, wir wollten natürlich möglichst günstig nach Dubrovnik reisen und haben uns daher für einen Flug ab Düsseldorf entschieden. Allerdings mit einem Zwischenstopp und Aufenthalt in Wien. Von „Tür zu Tür“ waren wir somit jeweils mehr als 10 Stunden unterwegs. Im Vergleich zu unseren bisherigen Direktflügen von Köln nach Zadar (um von Biograd aus zu starten) eine Ewigkeit. Der Transfer vom Flughafen zum Hafen erfolgt dann aber wie immer reibungslos. Der Vergleich von Transferangeboten lohnt übrigens – wir haben schon von Deutschland aus ein Taxi gebucht. Auch der Vercharterer hat uns den Transfer angeboten, allerdings für den doppelten Preis.

Endlich an Bord

Am späten Samstag Nachmittag sind wird dann auf der Mare. Eine Bavaria 37. Der Vercharterer, ein Bär von einem Kerl, beschreibt sie als „old but beautiful“ (alt, aber schön) – sowohl das eine als auch das andere soll sich während unserer Woche bestätigen, wenn auch in unterschiedlicher Weise und Ausprägung. Die Übergabe ist schnell erledigt. Meines Erachtens zu schnell. Bisher habe ich eher Übergaben erlebt, bei denen wir ein bis zwei Stunden das komplette Boot auf den Kopf gestellt
haben um die Ausrüstung, die an Bord ist, abzuhaken.

Vom Anker überGabeln bis hin zu den Winschkurbeln. Hier aber geht alles ganz schnell. In 5 Minuten hüpfen wir gemeinsam über das Boot, um das Wichtigste zu erfahren. Generell habe ich nichts gegen schnelle Übernahmen, jedoch schießen mir in diesem Moment all die Artikel aus den gängigen Segelzeitschriften in den Kopf, die darauf hinweisen, besonders bei der Übernahme aufzupassen, damit einem im Nachhinein nichts angehängt werden kann. Genau deshalb holen wir den Vercharterer auch später noch einmal an Bord, um ihm einige Mängel zu zeigen. Man kann nicht sagen, dass er sich nicht bemüht. Aber einige Problemstellen bleiben.

Nach der Übernahme verproviantieren wir uns erst einmal. Der nahegelegene Supermarkt direkt an der Marina kommt hier genau richtig. Das Angebot ist ziemlich übersichtlich, dafür ist der Weg und somit die Schlepperei kurz. Der Einkauf für 5 Personen für eine Woche beläuft sich auf knapp 2500 Kuna. Umgerechnet 320 Euro. Dafür haben wir dann aber auch für eine Woche ausgesorgt. Für uns ist das, insbesondere in dieser Jahreszeit (Nachsaison), der optimale Weg uns zu versorgen. Zumal wir auch einige an Bord haben, die gerne mal kochen. Kleine Anmerkung für Insider: Sofern die „Zuarbeiter“ auch das tun, was sie sollen und das Gemüse auf die richtige Größe und in der richtigen Form schneiden 😉

Besonders in Kroatien gibt es noch ein weiteres Modell der Versorgung: abends macht man an einer Boje oder einem Steg fest, die einem Restaurant angeschlossenen sind. Der Liegeplatz ist frei, es wird aber erwartet, dass das Anlegerbier (in unserem Fall die alkoholfreie Variante, die Anleger-Cola) inklusive einem umfangreichen Abendessen im Restaurant eingenommen wird. Ich glaube, für die Hauptsaison ist dies durchaus eine gute Alternative. Denn dort sind die Liegegebühren im gewöhnlichen Hafen durchaus fast mit einem Abendessen zu vergleichen. In der Nebensaison jedoch haben viele Restaurants schon geschlossen. Zudem wollen wir auch gerne unabhängig bleiben, abends nicht nach einem Lokal suchen müssen und auch mal in einer einsamen Bucht übernachten können.

Wir haben halb sieben, als der Einkauf verstaut ist. Es fängt an zu dämmern und der Magen knurrt. Die Motivation, jetzt noch etwas zu kochen, ist gering. Ein nahegelegenes kroatisches Restaurant ist die Rettung. Das Essen ist mittelmäßig, aber genügt für den Moment. Gegen Mitternacht fallen wir satt und vollkommen erschöpft vom ersten Tag in unsere Kojen.

SONNTAG: WIR SETZEN DIE SEGEL

Am nächsten Morgen geht es dann endlich los. Nach einem schönen ausgiebigen Frühstück in der Sonne juckt es uns in den Fingern. Die letzten Vorbereitungen werden getroffen: Wasser auffüllen, Leinen und Segel kontrollieren, Geschirr und Besteck sicher verstauen.

Und schließlich: eine mögliche Route überlegen! Welche Orte kommen in Frage, welche Buchten sehen vielversprechend aus? Hier hilft insbesondere „888 Häfen und Buchten“ von Karl Heinz Beständig. Anschließend gibt es eine kurze Lagebesprechung hinsichtlich des Ablegemanövers: Wer macht was? Wer fiert welche Leine? Alle müssen wieder ein Gefühl für die Tätigkeiten an Bord bekommen. Fünf Minuten später tuckern wir mit vier Knoten aus einem Nebenarm raus auf die Adria. Nachdem wir die Franjo-Tuđman-Brücke, die aus Norden ins Zentrum von Drubrovnik führt, passiert haben, können wir endlich die Segel setzen. Wir haben vier-fünf Windstärken aus Süd bis Süd-West. Unser erstes Ziel ist die Bucht von Lopud. Unser Vercharterer gab uns diesen Tipp. Nach gerade mal sechs Seemeilen lassen wir erst einmal den Anker fallen und kühlen uns beim Schwimmen ab. Wir genießen es, endlich wieder auf einem Boot zu sein. Nach und nach fällt dann auch der Stress aus den letzten Wochen von uns ab. Die Weite des Meeres hilft dabei. Zuletzt waren wir im Gedankenkarussell aus Arbeit, Haushalt, Alltag gefangen. Hier habe ich persönlich das Gefühl abschalten zu können – wieder genießen und die Gedanken schweifen lassen können.

Zwei Stunden später brechen wir dann zu unserem heutigen finalen Ziel auf: Luka Saplunara. Es sind noch knappe zwölf Seemeilen. Hier soll es Bojen geben, an denen wir festmachen wollen. Die Wettervorhersage verspricht für die Nacht Böen bis 38 Knoten aus NW. Die Bucht solle daher guten Schutz bieten und uns ruhig schlafen lassen. Dazu soll es allerdings nicht kommen…

 

Die Abenteuerbucht – oder „Pleiten, Pech und Pannen“

Beim Einfahren in die Bucht kommt ein Motorboot geradewegs auf uns zu. Der Mann darauf trägt eine Kochjacke. Nach einem kurzen Gespräch wird klar, was sein Ziel ist: Wir können die Bojen kostenlos benutzen, müssen aber in sein Restaurant zum Abendessen kommen. Davon sind wir jedoch wenig begeistert. Wir versuchen zu verhandeln. Nach kurzer Zeit geht er auf einen Deal ein, da wir die einzigen in der Bucht sind: Wir können an der Boje des Restaurants festmachen, sollen aber auf einen Drink rüber ins Restaurant kommen. Das finden wir fair! Ein paar Minuten später liegen wir an der Boje und trinken unsere erste Anleger-Cola 😉 David und ich testen das Dingi inklusive des Außenborders in der kleinen Bucht. Alles läuft gut, wir bemerken aber auch, dass der Wind zunehmend stärker wird. Auch die letzten Sonnenstrahlen liegen schon eine gewisse Zeit zurück. Unglaublich, wie dunkel es jetzt wird. Gut, dass das Boot so gut beleuchtet ist. Wir kehren zurück an Bord. Mit Fabian, Eva und Marlene besprechen wir das weitere Vorgehen. Der Plan: erst etwas kochen, dann wie versprochen an Land auf ein Getränk in das Restaurant gehen. Das verzögert sich etwas, da es nach dem Essen draußen regnet und die Böen inzwischen mit 35 Knoten kommen. Unser schlechtes Gewissen lastet jedoch auf uns. Also machen wir das Dingi klar. David bringt zunächst Fabian an Land. Anschließend holt er Marlene und mich.

Etliche Versuche benötigt David, um das Heck unseres Schiffes, das vom Wind immer wieder hin und her geschoben wird, zu treffen. Eva bleibt alleine zurück auf dem Boot. Der Wind pfeift uns um die Ohren und der Regen prasselt unaufhörlich auf uns nieder. Das Land ist kaum zu sehen. Fabian, an Land stehend, wird für uns zum Richtfeuer. Die Fahrt zu ihm ist knifflig – zum einen ist der Steg, auf dem er steht, gerade mal zwei Meter breit, daneben befinden sich spitze Felsen. Zum anderen haben wir im Hellen noch kurz vor dem Steg eine Boje gesehen, deren Leine dicht unter der Wasseroberfläche zum Land verläuft – optimal, um sich in unserem Außenborder zu verfangen! Mit etwas Glück gelingt auch das zweite Anlegemänover. Noch beim Festmachen des Dingis beobachten wir Wetterleuchten. Vielleicht auch einen Blitz?! Aber endlich an Land, wollen wir auch kurz rüber zur Bar. Diese ist komplett im Freien. Nur ein paar kleine Hausüberstände schützen uns vor dem Regen. Es ist ungemütlich. Die Getränke schmecken trotzdem. Lange bleiben wir nicht, auch um Eva nicht zu lange alleine an Bord zu lassen. Ich steige zuerst ins Dingi. Noch während ich einsteige, löst sich das Dingi vom Steg. Die Leine ist durchgescheuert. Nochmal Glück gehabt – etwas später hätte sich wohl unser Beiboot alleine auf und davon gemacht. Ich versuche den Außenborder zu starten. Ich ziehe ein Mal… zwei Mal… und kaputt! Die Rückziehspule auf dem Motor holt das Seil nicht mehr ein, ein Starten ist somit unmöglich. Da stehen wir nun gute 70-100 Meter von vom Boot entfernt, der Regen hat zugenommen und alles um uns herum wird nur hin und wieder von den in der Ferne niedergehenden Blitzen erhellt. Kurze Panik kommt auf. Welche Möglichkeiten haben wir? Zurück zur Bar? Die hatten doch ein Boot. Oder doch rudern? Zum Glück hat David vorm Losfahren daran gedacht, die Paddel mitzunehmen – nur für den Fall der Fälle. Der nun eingetreten ist. Wir wollen es mit den Paddeln probieren. Auch gegen Wind und Welle kommen wir gut voran. Zwanzig Minuten später stehen wir glücklich wieder an Bord der Mare. Wir sind vollkommen erledigt und wollen eigentlich nur noch schlafen. Verunsichert durch die durchgescheuerte Leine vom Dingi, kontrollieren wir nochmal die Leine zur Boje. Danach verkriechen wir uns in die Kojen.

Ab diesem Zeitpunkt beginnt der eigentliche Albtraum der Nacht, in der u.a. eine Olivenöl-Flasche durch das Boot fliegt, Wasser in den Rumpf eindringt und uns alle mehr oder weniger um den Schlaf bringt… Hier die Eindrücke der Nacht aus den unterschiedlichen Perspektiven:

Markus: Erst als ich in der Koje liege, wird mir richtig klar, wie sehr unser Boot schwojt. Ich komme mir vor wie auf einem Karussell. Dazu schlagen die ganze Zeit Wellen gegen den Rumpf. An Schlaf ist da nicht wirklich zu denken. Mein/Unser Fehler: Die Bucht ist zwar gut gegen Wind aus Nord geschützt, jedoch dreht der erst heute Nacht. Gerade haben wir jedoch sowohl Wind als auch Welle aus Süd. Ergebnis: Ich kann fast gar nicht schlafen, kontrolliere immer wieder die Leinen und versuche, alle klappernden Gegenstände und Fallen an Bord zu sichern. Gegen zwei Uhr morgens merke ich, wie endlich der Wind auf Nord dreht. Das Boot dreht entsprechend mit. Blöd nur, dass die Dünung noch aus Süd anrollt. Eine kräftige Welle drückt das Boot ordentlich auf die Seite und lässt unsere Olivenöl-Flasche quer durch das Boot rollen, was einen ordentlichen Lärm macht. Das Geschirr bleibt zum Glück heil in den Schapps. Schließlich ziehe ich komplett rüber in den Salon, auch um Marlene, die neben mir liegt, nicht ständig zu wecken. Dort versuche ich ein wenig zu dösen. Wundere mich aber über ein Rauschen, was sehr beständig bei jeder Welle, die das Boot von der einen Seite auf die andere kippen lässt, ertönt. Nach ein paar Minuten finde ich die Quelle: in der Bilge schwimmen gute 50 Liter Wasser, die bei jeder Welle einmal über den kompletten Boden rauschen. Ich schalte die Bilgenpumpe an. Die erreicht das Wasser jedoch nicht. Durch den Lärm wird auch David in der Bugkabine wach und gesellt sich zu mir. Ich verdeutliche ihm das Problem. Gerne wüssten wir, ob noch mehr Wasser eindringt. Deshalb fangen wir an zu schöpfen. Zunächst nur mit einem Glas, dann mit einem Glas und Kochtopf. Wir legen den Boden fast komplett trocken. Offensichtlich kommt kein neues Wasser herein. Wir legen uns wieder hin. Ich schlafe ein wenig ein, werde jedoch erneut von einem lauten Knall erschrocken. Ich gehe zum x-ten Mal diese Nacht nach draußen und schaue nach. Diesmal knallt die harte Plastik-Boje bei jeder größeren Welle gegen den Rumpf. Meine Nerven sind so langsam wirklich überstrapaziert, dazu der Schlafentzug… Mit Leinen und dem Boothaken versuche ich, die Boje auf Abstand zu bekommen. Eine Zeitlang gelingt es. Irgendwie vergehen die letzten Stunden bis zum Sonnenaufgang. Ich bin froh, als Fabian und Eva auf der Koje kriechen.

Marlene: Der Abend mit dem starken Regen, der durchgescheuerten Leine am Dingi und dem Paddeln zum Boot zurück in der stockfinsteren Nacht hat uns alle ziemlich erschöpft und mit einem entsprechend mulmigen Gefühl gehen wir schlafen. Für mich ist das Schwanken des Bootes gar nicht das Schlimmste – auch wenn das Boot stark vom Wind hin- und hergetrieben wird, habe ich Vertrauen in die Leine an der Boje und in unsere beiden Skipper, die alles nochmal kurz vorm Schlafen geprüft haben. Der Lärm an Bord hält mich allerdings wach (z.B. als die Olivenöl-Flasche quer durch das Boot kullert), gepaart mit Markus’ Unruhe; dieser steht alle 5-10 Minuten auf, um unter und über Deck die Lage uns unsere Leine(n) zu prüfen. Ihn nicht zu hören und zu wissen, dass er in der Dunkelheit an Deck ist, bei dem starken Wind und der unruhigen See, lässt mich ebenfalls immer wieder aufschrecken. Ein bisschen besser, aber auch nicht viel, wird es, als Markus direkt im Salon das Bett bezieht. Ich denke dennoch ständig darüber nach, was ich tue, sollte ich mehrere Minuten nichts von ihm hören oder ihn sogar über Bord gehen hören… Ergebnis: Alle wecken! (Was im Nachhinein betrachtet keine sehr überraschende Erkenntnis, aber für mich in dem Moment ein wichtiger „Plan“ ist.) Eine im Nachhinein sehr lustige Situation gibt es dann noch, als ich – mal wieder von irgendeinem Krach geweckt – die Kabinentür aufmache und direkt davor Markus und David sehe, neben sich einen Kochtopf und irgendetwas am Boden rumhantierend. Auf meine verschlafene Frage „Was macht ihr denn da?“ kommt von David ein ernüchterndes „Kochen“ zurück. Woraufhin ich die Kabinentür kommentarlos schließe. Ich bin froh, als der Morgen anbricht und wir weiterfahren können– auch wenn ich zunächst auf meinen Kaffee verzichten muss und auf dementsprechend müde an Deck hänge.

David: Eine Nacht in der Bucht mit Blick auf die Adria. So weit, so beschaulich. Einzig die einlaufenden starken Wellen, der Wind, das Schlagen der Boje gegen den Rumpf, die Schaukelei (Motion Seats im Kino sind dagegen Kindergeburtstag – mir ist beim Gedanken daran jetzt noch schlecht) und ein wenig schwappendes Wasser im Rumpf haben diese Idylle gestört.

Am nächsten Morgen heißt es: Ab in den nächsten Hafen und Kraft tanken! In der Ferne ziehen noch einige Gewitter entlang, die uns aber nicht treffen werden. Ohne Frühstück starten wir den Motor und setzen Kurs Slano. Die Überfahrt wird etwas ungemütlich, über die Nacht hat sich eine entsprechende Welle aufgebaut, die das ein oder andere Crewmitglied etwas seekrank werden lässt. Nach gut zweieinhalb Stunden erreichen wir den Hafen unter Motor. Endlich Ruhe im Schiff!

MONTAG: ENTSPANNEN IM RUHIGEN HAFEN

Angekommen im Hafen von Slano, genießen wir erstmal die Ruhe im Schiff und den Landgang. Slano ist ein kleines Örtchen dreißig Kilometer nordwestlich von Dubronvik mit einer neuen, modernen Marina (eröffnet 2016, wie uns erklärt wird). Im Stadtkern finden wir zwei kleinen Läden für die nötigsten Besorgungen und eine Pizzeria. Ansonsten bietet das kleine Nest nicht viel, für uns reicht es aber. Wir verbringen den restlichen Tag auf dem Schiff mit Lesen, Spielen, Erzählen, Lachen, Ausruhen und der Reparatur des Außenborders (auch wenn wir uns für den Rest des Törns nicht mehr trauen, ihn wieder zu benutzen).

Am Abend gibt es Ofengemüse – ein Festmahl! Zum Essen selbst kommen dann noch zwei kleine Gäste – mauzend kündigen sie sich schon von Weitem an: offensichtlich die Hafenkatzen. Die Mitarbeiter im Hafen kümmern sich ein wenig um die beiden Jungkatzen, die wir schon tagsüber von Steg zu Steg laufen sehen. Nun machen sie es sich an Deck und kurzzeitig auch in meiner Kabine bequem, bevor ich sie wieder rausschicken muss.

 

DIENSTAG: BROT UND SPIELE

Jeder, der schon einmal ein Boot gechartert hat, kennt sicher das Gefühl, dass man das Boot jede Minute des Törns auskosten möchte. Raus aufs Wasser und segeln! Man könnte im Dreieck springen, wenn das Wetter nicht zu diesen Vorstellungen passt. Heute sind bei Windfinder über 40 Knoten Wind gemeldet. Im Hafen merkt man nicht viel davon, wir sind hin und her gerissen, ob wir nicht doch rausfahren sollen. Jedoch trauen wird der Situation nicht und entscheiden – Sicherheit geht vor – noch einen Tag im Hafen zu bleiben. Insbesondere, weil der Hafen auch in einer sehr geschützten „Ecke“ liegt. Wir vertreiben uns den Tag mit Gesellschaftsspielen, schlafen und viel lesen. Ich lese seit ein paar Wochen Die unendliche Geschichte von Michael Ende. Mit dem Buch habe ich auch die anderen angesteckt, sodass Marlene ganze Abende damit zubringt, uns vorzulesen, und wir das Buch so gemeinsam genießen können.

MITTWOCH: EIN NEUER „HAFEN“

Die Wetteraussichten versprechen heute einen günstigen Nord/Nord-Ost Wind mit bis zu 30 Knoten Wind. Diese Chance wollen wir nutzen, um ein wenig die Insel Mljet zu erkunden. Unser Ziel: die „Ivo-Bucht“, wie wir sie nennen, eine kleine geschützte Bucht am nördlichen Ende der Insel mit einem Restaurant, welche uns von Bekannten empfohlen wurde. Sie liegt im Norden von Mljet, im Nationalpark. Der Besitzer des Restaurants heißt Ivo (daher der Name). Bei ihm wollen wir essen. Der Wecker klingelt bereits um 8 Uhr, sodass wir früh starten können. Gegen halb zehn legen wir dann auch ab. Das Meer begrüßt uns mit einem sanften Wellengang, dazu blauer Himmel und Sonnenschein. Der Wind dreht bis zum Nachmittag immer weiter auf, in den Spitzen messen wir 45 Knoten.

Stark gerefft, rauschen wir mit sieben-acht Knoten Fahrt über Grund Richtung Norden. Gut viereinhalb Stunden später kommen wir bei Ivo an, müssen aber feststellen, dass das Restaurant bereits im Winterschlaf liegt.

Wir können jedoch an einer Boje in der Bucht festmachen. Die Sonne brennt jetzt bei wenig Wind auf der Haut. Wir nutzen das sommerliche Wetter, um ein paar Runden schwimmen zu gehen. Eine ganze Zeit liegen wir alleine und genießen die absolute Ruhe, später kommt noch ein Katamaran an die Boje neben uns.

Am späten Nachmittag machen Marlene und ich noch einen Landgang – wir haben heute unseren Jahrestag. Da der Motor des Dingis immer noch kaputt ist, paddeln wir an Land. Wir freuen uns über ein wenig Zweisamkeit am Tag unseres Einjährigen und spazieren entspannt die bergige Insel hoch. Etwas erhöht, an einer ruhigen Stelle mit einer tollen Aussicht auf die Bucht und das Boot nutze ich die tolle Gelegenheit und mache Marlene einen Heiratsantrag.

Dies habe ich natürlich schon von langer Hand geplant (auch wenn ich den genauen Ort bei meiner Planung aus vielleicht verständlichen Gründen nicht genau kannte) und trage den Verlobungsring, den ich mit der Positionsangebe unseres ersten Treffens habe gravieren lassen, in meiner Hosentasche. Marlene ist überglücklich und sagt Ja. Der Rest der Crew ist nicht in meine Pläne eingeweiht. Nach unserer Rückkehr zum Boot lassen wir sie noch ein wenig im Dunkeln tappen. Nach dem Abendessen lassen wir dann doch die Bombe platzen. Die Über-raschung und Freude über unsere Verlobung ist groß. Insbesondere für Eva und Fabian ein freudige und lustige Neuigkeit zugleich – Marlene hat noch vor ein paar Monaten auf ihrer Hochzeit den Brautstrauß gefangen. Also Obacht bei zukünftigen Hochzeiten 😉

Wir stoßen gemeinsam an und genießen anschließend einen überwältigenden Sternenhimmel. Wir schaffen es kaum, die gewohnten Sternbilder zu finden, weil so viele neue, bisher für uns nicht sichtbare Sterne am Himmel zu erkennen sind. Mit vielen schönen Geschichten aus unserem ersten Jahr und den Plänen für die kommenden Jahre lassen wir den Tag ausklingen.

 

 

Marlene: Markus und meine Verlobung zählt für mich zu den schönsten Momenten auf dem Törn. Dass er mich irgendwann fragen würde, damit habe ich gerechnet, auch weil wir uns in den letzten Monaten schon öfters darüber unterhalten hatten. Dass er mir aber auf dem Törn einen Antrag macht, allerdings nicht – wenngleich es,  im Nachhinein betrachtet, Anzeichen gab: Zum Beispiel hat er etwa einen Monat vorher gefragt, wo denn eigentlich meine ganzen Ringe seien. Aber ich glaube, wenn man nicht mit etwas rechnet, macht man sich auch über solche recht eindeutigen Zeichen wenig Gedanken. Zumal ich es eh sehr mag, mich überraschen zu lassen. An dem Tag unserer Verlobung, dem Mittwoch, kommen wir nachmittags in der „Ivo-Bucht“ auf Mljet an. Der Tag an sich war schon traumhaft mit wunderbarem Wind und Sonne. Gleichzeitig ist heute unser Jahrestag. Als Markus also vorschlägt, dass wir ja noch ein bisschen Zeit zu zweit verbringen könnten, z.B. auf einem Spaziergang, denke ich mir dabei nichts, sondern freue mich über die Idee. Nach einem Bad im Wasser der Bucht, machen wir uns dann auch auf den Weg an Land – paddelnd mit dem Dingi. Mljet besteht – zumindest an dieser Stelle der Insel – hauptsächlich aus einem felsigen Hügel. Es gibt eine Autostraße, an der entlang wir bergauf gehen und schließlich in einen kleinen Waldweg abbiegen. Markus möchte unbedingt nach ganz oben: „Vielleicht finden wir ja noch eine schöne Aussicht von oben.“ Finden wir leider nicht, offenbar gibt es keinen Weg auf die Bergspitze. Schließlich drehen wir um, auch weil es langsam anfängt zu dämmern. Auf dem Rückweg finden wir dann doch noch eine kleine Art von Aussichtsplattform, von der aus wir auf die Bucht herunterschauen können – allein der Ausblick ist schon wundervoll. Wir reden über uns und das letzte Jahr und das Glück, dass wir uns gefunden haben. Da holt Markus einen Ring aus der Tasche und fragt mich, ob ich ihn heiraten möchte. „Ja!“ Für mich der perfekte Augenblick. Ich freue mich sehr, bin aufgeregt und verlegen zugleich. Abends erzählen wir Eva, Fabian und David von unserer Verlobung, die sich ebenfalls sehr freuen – wir stoßen an und feiern ein bisschen gemeinsam, u.a. mit dem Spiel „Chapeau“, bei dem es auch den schönen Begriff „Hochzeitsstraußfängerin“ gibt. Denn bei Evas und Fabians Hochzeit im Juni 2017 habe ich den Brautstrauß gefangen ;).

DONNERSTAG: SEGELN!

Am Donnerstag schlafen wir lange aus. Für heute und die nächsten Tage ist relativ wenig Wind gemeldet. Daher nutzen wir die Zeit für ein ausgiebiges Frühstück und weitere Badeaktionen im Mittelmeer. Erst gegen späten Mittag verlassen wir die für uns ab sofort unvergessliche Bucht von Ivo und setzen den Kurs ‘gen Süden. Langsam aber sicher schiebt uns eine leichte Brise unter Schmetterlingsbesegelung zu unserem nächsten Ziel Luka Okuklje.Diese liegt gerade einmal knappe 14 Seemeilen weiter südlich auf derselben Insel, Mljet.

Die Bucht selbst hat ein paar kleinere Untiefen, sodass wir bei der Ansteuerung entsprechend vorsichtig sind. Wir finden einen freien Liegeplatz an einer alten steinigen Mauer. Gut gefendert legen wir längsseits an. Nicht gerade schön hier. Dafür liegen wir kostenlos. Uns knurrt der Magen und wir gehen auf die Suche nach einem Restaurant – wieder ein Tipp unserer Bekannten. Auf dem Weg ins „Zentrum“ des kleinen Ortes bemerken wir an einem Haus eine starke Rauchentwicklung. Für uns sieht es so aus, als würde das Haus brennen. Eva und ich gehen der Sache genauer auf den Grund. Wir stehen schon quasi im Garten des zugehörigen Hauses, als wir endlich die Quelle entdecken: Ein Bewohner des Ortes übt sich gerade im Grillen.

Wir sprechen kurz mit seiner Frau und der jungen Tochter. Ihr Kommentar: Papa grillt und übertreibt ein wenig 😉 Wir ziehen unverrichteter Dinge, aber mit einem ruhigen Gewissen wieder ab.Unser Spaziergang wird ansonsten jedoch nicht von Erfolg gekürt. Lediglich ein Restaurant hat zu dieser Jahreszeit in diesem kleinen verschlafenen Nest geöffnet. Die Speisekarte überzeugt uns jedoch nicht. Also sind wir selber gefordert! Ein leckeres Curry und ein Apple Crumble versüßen uns den Abend.

 

FREITAG: DIE SACHE MIT DER TOILETTE

Heute lösen wir die Leinen noch vor dem Frühstück. Wir wollen in die nördlich gelegene Bucht von Veljara. Ein persönlicher Tipp von unserem Vercharterer zum Schwimmen und Verweilen.

Es wird ein kurzer Schlag von gerade einmal fünf Seemeilen unter Motor, da der Wind quasi komplett abgeflaut ist. An diesem letzten Segeltag bekommen wir dann auch Probleme mit der Toilette, die sich bereits am Vortag abgezeichnet haben. Nun ist sie komplett voll und lässt sich nicht entleeren. Es besteht ein absolutes Toilettennutzverbot! Kurz nachdem der Anker gefallen ist, wird dann also das Dingi für einen Toilettenlandgang klar gemacht. Anschließend zaubern wir uns ein tolles Frühstück, welches wir unter freiem Himmel bei T-Shirt-Wetter genießen. Nach dem Essen tauche ich ums Boot und versuche, ein Problem außen am Boot als Ursache für die nicht funktionierende Toilette auszuschließen. Erfolglos kehre ich zurück an Bord. Die verbleibenden 18sm nach Dubrovnik müssen wir mit einer eingeschränkten Toilettennutzung zurechtkommen und sogar eine Toilettenwache abstellen, die regelmäßig rückläufiges Toilettenwasser zurück in den Tank pumpt. Eine ärgerliche Situation, die die restlichen Seemeilen etwas trüben. Mit leichten Winden fahren wir teils unter Motor, teils unter Segel unserem Törnende entgegen. Gegen halb sechs abends legen wir wieder im Hafen von Dubrovnik an. Unsere Segelreise geht damit zu Ende. Wir räumen die nötigsten Dinge beiseite und lassen das Boot vom Vercharterer abnehmen. Da das Boot nicht weiter vermietet ist, können wir bis Samstagmorgen zwölf Uhr auf dem Schiff bleiben. Wir verschieben daher Packen und Aufräumen auf den nächsten Morgen und besichtigen zum Abschluss des Törns Dubrovnik.

Ein Taxi bringt uns von unserer etwas außerhalb gelegenen ACI Marina in die Altstadt von Dubrovnik. Diese ist komplett autofrei und von einer 1940 Meter langen Stadtmauer umgeben. Wir schlendern eine Weile durch die vielen verwinkelten Gassen, in denen sich interessante kleine Geschäfte und hübsche Restaurants finden. Etwas abgelegen der Hauptstraße entdecken wir ein ruhiges Restaurant, in dem wir die vergangene Woche Revue passieren lassen. Dazu gibt es eine leckere Pizza und als Nachtisch noch ein großes Eis. Erledigt vom Tag und der Reise lassen wir uns gegen 23 Uhr wieder zur Marina fahren. Zufrieden fallen wir in unsere Kojen.

SAMSTAG: ABREISE

Ab jetzt kommen wie immer die lästigen Pflichten eines Chartertörns. Wir haben bis zwölf Uhr Zeit, dann bringt uns ein Taxi zum Flughafen. Obwohl wir früh aufstehen, zieht sich das Aufräumen und Packen ewig hin. Nicht zuletzt, weil die Versteigung der restlichen Lebensmittel an die einzelnen Crewmitglieder etwas schleppend verläuft. Kurz vor zwölf Uhr nehmen wir dann Abschied von „unserer“ Mare. Erst beim Verlassen des Schiffes fällt mir auf, dass unserer Sonnenschutz nicht etwa eine saublöde Konstruktion ist, über die ich mich die gesamte Woche geärgert habe, sondern komplett falsch angebracht ist. Irgendwie ein wenig typisch für unseren Vercharterer: immer sehr gelassen (was z.B. bei der Übernahme und Rückgabe des Boots schön ist), aber leider nicht bestrebt, die Dinge vernünftig zu machen / reparieren (siehe Außenborder, Toilette, loses Rigg, defekte Schapps). Dennoch war es für uns ein sehr schöner und aufregender Törn. Und die Mare ist halt… nun ja, old but beautiful 😉

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